14.03.2007: Handball WM: ein Monat danach

Ein Monat ist seit dem sensationellen Triumphzug des deutschen Handball-Teams vergangen. Wir haben uns gefragt: Welche Spuren hat die Handball Euphorie hinterlassen? Laufen nun Pommes und Fritz Schweini und Poldi den Rang ab? Möchten nun alle Kinder mit Harz an den Fingern ans runde Leder?
Nachdem den Handball-Hünen die Vollendung des Wintermärchens geglückt ist, thront König Heiner als Nationalheld über der deutschen Handball-Dynastie. An diesen Erfolg möchte der Deutsche Handball Bund (DHB) anknüpfen.
Pressesprecher des DHB Charly Hühnergrath erklärt: “Mit diesem Erfolg konnte keiner rechnen. Die ganze Euphorie ist auf eine sorgfältige Planung zurückzuführen. Jetzt wollen wir das Interesse an dem attraktiven und dopingfreien Sport weiter aufrechterhalten und mehr Zuschauer in die Hallen und in die Vereine bringen. Wir haben im Vorfeld der WM ein Schul- und Trainingskonzept entwickelt und an alle deutschen Handballvereine geschickt.“
Und die Saat fällt auf fruchtbaren Boden…
Hans-Jürgen Ueffing von der Handballvereinigung HSV Bocholt berichtet: „Bei uns im Verein gab es nach der Handball WM ein erhöhtes Interesse im unteren Nachwuchsbereich. Auch in der Handball-AG am Marien Gymnasium stieg die Zahl der Interessierten von 8-10 auf über 20 Kinder.“ In Bocholt hat der WM-Boom einen Stein ins Rollen gebracht. Ueffing erklärt: „Das Heft des deutschen Handballbundes beinhaltet Trainingsmethoden und praktischen Übungen für 6-12jährige Kinder. Ich habe 50 Exemplare davon bestellt und werde sie in den Grundschulen an die Lehrer verteilen. Wenn dies im Schulsport umgesetzt wird, erwarte ich im nächsten Jahr hier im Verein einen richtigen Push.“
Auch in Köln hat Heiner Brand sein Erbe hinterlassen. Monika Zeyen, Jugend – Wart beim HSV-Bocklemünd berichtet über einen regen Zulauf bei den ganz Kleinen. „Wir erhalten viele Anrufe von Eltern, die ihre Kinder zum Schnuppertraining vorbeischicken möchten. Jetzt haben wir eine neue Bambini- Gruppe eröffnet für Kindergartenkinder ab drei Jahren. Außerdem haben wir eine Plakataktion ist Leben gerufen. Sie soll Kindern das Interesse am Handballspielen näher bringen.“
Sponsoren werden hellhörig
Aber auch aus wirtschaftlicher Sicht entfaltet der Handballsport großes Potenzial. Bei dem WM-Endspiel verfolgten über 16 Millionen Zuschauer das Königsspiel um den Handball Titel am Bildschirm - in Spitzenzeiten sogar über 20 Millionen. Das entspricht einem Marktanteil von ca. 60 Prozent. Solche Raketenwerte lassen Sponsoren aufhorchen. Ein mediales sportliches Großereignis dieses Kalibers mit "echten Männern" und Sympathieträgern ist für jede Marke eine willkommene Kommunikationsplattform.
Charly Hühnergrath berichtet: “Gerade heute habe ich mit drei möglichen Sponsoren gesprochen und auch verschiedene Fernsehanstalten werden auf den attraktivsten Sport aufmerksam.“
Anscheinend ist durch die WM dem Handballsport eine Tür geöffnet worden. Die Euphorie um den kleinen Lederball hält nämlich weiter an. Am 16.03 betritt die A-Jugendauswahl des DHB den heiligen Boden der Kölnarena, um im Länderspiel gegen Dänemark an die Erfolge der Senioren anzuknüpfen. Direkt im Anschluss wird die Bundesliga Partie VfL Gummersbach gegen THW Kiel angepfiffen.
Text: Jutta Kühle