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26.03.2007: Lawinen Basic Camp: 2.Teil

Der weiße Killer im Nordhang

Der Traum eines jedes Freeriders ist es, die ersten Spuren in einen unberührten Tiefschneehang zu ziehen. Doch die Gefahr fährt immer mit! Die SAAC haben sich zur Aufgabe gemacht, im Rahmen von Lawinen Camps über Risiken zu informieren und zur Eigenverantwortung zu animieren. Jutta Kühle war dabei.

Die Theorieveranstaltung des SAAC Basic Camps ist im vollen Gange. Die 50 Teilnehmer haben mittlerweile verstanden, dass beim Freeriden abseits der gesicherten Pisten immer ein Restrisiko besteht. Doch die Gefahr ist kalulierbar.

Im ersten Teil der Theorieeinheit haben die Teilnehmer die Relevanz des Lawinenlageberichts und der europäischen Lawinengefahrenskala für das Variantenfahren verinnerlicht. Auch über die Gefährlichkeit von Windverfrachtungen und Hot Spots wurden die Freerider informiert (siehe: Die weiße Gefahr1).

Draußen hat es angefangen zu schneien. Die Flöckchen rieseln friedvoll zu Boden. Die 50 Teilnehmer der Lawinen Basic Camps des SAAC blicken voller Zuversicht auf den morgigen Praxistag.

Doch zuerst heißt es, den hinterhältigen Charakter der Lawinen zu verstehen. 

 

Welche Rolle spielt die Hangausrichtung (Exposition) für das Lawinenrisiko?


75% aller Lawinenabgänge ereignen sich im Nordsektor (MUNTER, 1997)

Die geringere Sonneneinstrahlung auf den Nordhängen bedingt eine niedrigere Tageserwärmung der Schneedecke. Somit können sich die Schneedecken nicht verfestigen und können abrutschen.  

 

Hangsteilheit

Außerdem gilt es für Kalkulation des Lawinenrisikos, die Steilheit des Hangs zu berücksichtigen. 70% aller Lawinenunfälle geschehen auf Hängen mit einer Hangneigung  zwischen 35° und 45° (MUNTER, 1997). Daraus abgeleitet werden folgende Grundregeln:

 

-         Gefahrenstufe 2: Hänge von über 40° meiden

-         Gefahrenstufe 3: Hänge von über 35° meiden

-         Gefahrenstufe 4: Hänge von über 30° meiden


Die Bergführer erklären: "Wie wir die genaue Steilheit eines Hanges ermitteln können, erfahrt ihr morgen während der Praxiseinheit. Es gibt verschiedene Messmethoden, um den Hang richtig einschätzen zu können. Ein grober Anhaltspunkt: Ein felsdurchsetzter ist Hang steiler als 40°. Das steile Gefälle bedingt nämlich, dass der Schnee nicht liegen bleibt, sondern abrutscht."

 

 

Neuschnee in Sicht


Ein Blick durch das Fenster des Seminarraums verspricht für den morgigen Praxistag Neuschnee - es schneit immer noch. Angesichts der mageren Schneeausbeute dieses Winters, sehnen sich die Seminarteilnehmer danach, mit einem guten Gewissen sich morgen dem Powdervergnügen hingeben zu können.

Frischer Pulverschnee ist nicht zwangsläufig mit dem Siegel des Verzichts versehen. Wenig Wind und eine Temperatur von knapp unter 0°C ermöglichen je nach Gefahrenstufe und Hangneigung ein kalkulierbares Risiko. Bei Tauwetter hingegen droht der Hang durch das Abfließen von Schmelzwasser zu Durchfeuchten. Die Instabilität der Schneedecke ist die Folge.

 

Das erworbene Wissen hat die Unbeschwertheit genommen und die Sensibilität geschärft. Jedem fällt nun auf: Die Schneeflocken rieseln nicht friedlich zu Boden. Die kleinen Schneekristalle schießen seitlich vor das Fenster – ein Zeichen für starke Windeinwirkung!  

 

Zum Ende der Theorieveranstaltung ist wohl jedem Teilnehmer klar geworden, dass es eine 100prozentige Sicherheit abseits der gesicherten Pisten nicht gibt, aber das Risiko kann minimiert werden – notfalls durch Verzicht.

 

Bleibt abzuwarten wie sich die Lawinenlage für den morgigen Praxistag entwickelt...

 

weitere Informationen zu Lawinencamps: www.saac.at 

 

 

 

 

 

Fotos:

Juliane Kurzke

Quellen:

MUNTER, W. (1997): 3X3 Lawinen. Entscheiden in kritischen Situationen. Agentur Pohl & Schellhammer, Garmisch Partenkirchen.
 

Österreichisches Kuratorium für alpine Sicherheit (2005): Lawinenfibel, 5.Auflage, Innsbruck

 




Text: Jutta Kühle

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