25.09.2011: Skateboardschule in Kabul

Das Projekt „Skateistan“ wird von Teilnehmern aus der ganzen Welt in Kabul unterstützt. Vor Ort ist auch die Kölnerin Frauke Meyn und zeigt, was alles mit Skateboard und Sport erreicht werden kann.
Die junge Sportwissenschaftlerin Frauke Meyn, die letztes Jahr ihr Diplom an der Deutschen Sporthochschule in Köln gemeistert hat, testet gerne ihre Grenzen aus. Als blonde Frau ist es für sie eine Herausforderung, nach Kabul zu gehen, um an einer Skateboardschule zu arbeiten. „Wo vor einigen Jahren noch Krieg herrschte, wird nun Spaß und Sport nicht nur für Jungen, sondern sogar für Mädchen angeboten. Während Fahrradfahren zum Beispiel für Mädchen nicht akzeptiert wird, ist Skateboarden als neue Trendsportart in Afghanistan für alle erlaubt, welche durch das Projekt „Skateistan“ erst etabliert wurde. “
Vom Projekt „Skateistan“ hat Frauke Meyn bereits in ihrem Studium gehört und war schon im Jahre 2007 daran interessiert, bei diesem Hilfsprojekt, das „vom deutsch-austalischen Skater Oliver Persovich“ ins Leben gerufen wurde, mitzumachen. Nach bisher fünf Monaten Entwicklungsarbeit würde Frauke Meyn dieses Projekt immer wieder antreten, da es sich um ein einzigartiges Projekt handelt. „Auf der einen Seite wird bei „Skateistan“ eine neue Sportart, das Skateboarden, fokussiert, was eher selten ist. Fußball- und Basketballprojekte sind nämlich typischer für Entwicklungsprojekte. Auf der anderen Seite ist „Skateistan“ ein Langzeitprojekt und ist auf insgesamt 10 Jahre angesetzt, im Vergleich zu vielen anderen Entwicklungs-Projekten. Ziel ist es, dass die Skateboardhalle von afghanischen Landsleuten weitergeführt wird.“ Frauke Meyn spricht sich besonders für diese Nachhaltigkeit aus und ist von dem flexiblen, kreativen Projekt begeistert, da sie hier ihre eigenen Ideen einbringen kann.
Frauke Meyn hilft in Kabul durch „Skateistan“ dabei, den Kindern und Jugendlichen eine neue Perspektive anzubieten, Toleranz und Empathie aufzubauen, Emanzipation zu fördern sowie Spaß und Freude durch Sport zu vermitteln. „Es skaten alle zusammen, egal ob arm oder reich. Die Kinder und Jugendlichen kommen aus verschiedenen Verhältnissen und es sind neun Ethnien vertreten.“ Frauke Meyn empfindet aufgrund ihres Sportstudiums, besonders Sport als wichtiges Mittel zum Aufbau von kulturellen und sozialen Fähigkeiten sowie zum Abbau von Vorurteilen. Die Kinder und Jugendlichen, die im Krieg aufgewachsen sind, erleben eine neue, aktive und spaßige Facette ihres Lebens. Auch wenn Frauke Meyn mit den Kindern und Jugendlichen nur mit Hilfe von Dolmetschern oder mit Händen und Füßen kommunizieren kann, bringt ihr die Arbeit im Skatepark viel Spaß und wird die Jugendgruppe vermissen, denn in einem Monat kehrt sie schon wieder nach Deutschland zurück.
Natürlich gibt es auch nicht nur positive Seiten in Afghanistan. Kopftuch tragen und unbetonte Kleidung sind Pflicht. Außerdem ist es auf den Straßen zu unsicher, deshalb hält Frauke Meyn sich auch meistens nur im Skatepark, im Büro oder Gästehaus auf. „Frei agieren wie in Deutschland ist in einem Land wie Afghanistan nicht möglich. Begleitungen, Kontrollen und Anmeldungen gehören zum Alltag dazu.“ Trotz gewisser Risiken und Gefahren steht Frauke Meyn 100-prozentig hinter dem Projekt „Skateistan“ und erfährt eine ganz andere Seite von dem Selbstmordattentat-geprägten nahen Osten.
Im Januar 2011 kam der Dokumentarfilm "SKATEISTAN – Four Wheels and a Board in Kabul" vom Regisseur Kai Sehr und dem Produzenten Rene Kock in die Kinos und hat einige Preise wie den „ISPO Brand New Social Awareness Award“ und den „Peace and Sport Award in MonacoFilm“ abgestaubt. Der Film thematisiert die heutige Situation in Kabul und stellt die Seite des Kriegs-gebeutelten Afghanistan dem Hilfsprojekt „Skateistan“ gegenüber. Durch das Skaten können die Entwicklungshelfer die Kinder und Jugendlichen begeistern, sie vom zerstörten Land ablenken und ihnen die Möglichkeit bieten, wieder Hoffnung zu schöpfen.
Neben beruflichen Erfahrungen in der Entwicklungsarbeit mit Sport zu sammeln, findet Frauke Meyn es sehr interessant, zu entdecken, wie es in Afghanistan wirklich ist im Vergleich zu den Darstellungen in den Medien. „Man lernt viel über das Land, lernt viele freundliche Afghanen kennen und man lernt viel über sich selbst.“ Nicht nur in der Entwicklungsarbeit sucht Frauke Meyn, die auch FSJ-Ausbilderin für LSB und Parcourstrainerin ist, Herausforderungen, Spaß und Adrenalin, sondern auch bei Extremsportarten wie beim Freerunning und Parcours.
Text: Pauline Pflüger