15.12.2010: Video der Woche 11/2008

Steve Davis, Mark Williams, Ali Carter und Rekordweltmeister Stephen Hendry - wem diese Namen bekannt sind, der weiß auch, wer oder was Ronnie O'Sullivan ist: Der amtierende Snooker-Weltmeister gilt als schillernde Persönlichkeit beim streng britischen Sport. Denn "The Rocket" erzeugt mit seinem besonderem Spielstil magische Momente am grünen Tisch, wie kein Zweiter...
Fast jeder hat schon einmal Pool-Billard gespielt und sich geärgert, wenn die Kugeln nicht nach Plan in die Taschen laufen. Snooker ist ein ähnliches Spiel und doch völlig anders, denn: Es ist deutlich schwerer! Die Taschen sind kleiner, der Tisch größer und die Kugeln wählt man nicht nur in zwei Kategorien, wie beim Pool-Billard. Vielmehr gibt es hier 22 Kugeln, die sieben verschiedene Farben haben. Jeder Farbe ist ein bestimmter Punktwert zugeordnet, den man beim Lochen der Kugel erhält:
Für die, die das Spiel noch nicht kennen, hier eine kurze Übersicht:
Das Ziel des Spiels ist es, mehr Punkte als der Gegner zu sammeln. Es wird abwechselnd gespielt, wer trifft, bleibt am Tisch. Dabei wird immer abwechselnd mit der weißen Kugel eine rote und eine anders farbige gelocht. Die anders farbigen Kugeln werden solange wieder auf ihren Platz zurückgelegt, bis die letzte rote versenkt wurde. Dann findet das "Spiel auf die Farben" statt, die farbigen Kugeln können dann entgültig das Spiel verlassen. Um ein hohes Break (an einem Stück gespielte Lochfolge der Kugeln) zu erreichen, muss man also abwechselnd rot und schwarz versenken.
(Die Snooker Regeln sind im Detail viel komplexer, aber mit den paar Sätzen versteht ihr zumindest die Leistung, die im Video gezeigt wird...)
In diesem Video der Woche könnt ihr den amtierenden Weltmeister Ronnie "The Rocket" O'Sullivan bewundern. Er schaffte es, abwechselnd die rote und die schwarze Kugel zu lochen und somit eine maximale Ausbeute von 147 zu erreichen - ein sogenanntes "Maximum Break", in etwa mit einem Hattrick beim Fußball vergleichbar. Neben dem Preisgeld für das höchste Break im Turnier, erhält der Spieler Ruhm und Ansehen - in der durch und durch britischen Sportart weitaus mehr wert als alles andere...
Ein "Maximum Break" ist etwas, wovon viele Snooker-Spieler ihr ganzes Leben lang nur von träumen. O'Sullivan zeigt hier jedoch bereits sein neuntes "Maximum Break" während eines Turniers. Das besondere an diesem hier: Es fand im letzten Spiel beim Achtelfinale gegen Mark Williams bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in Sheffield (England) statt. O'Sullivan musste diesen frame (Spieldurchgang) nur irgendwie nach Hause schaukeln, brannte aber stattdessen ein Snooker-Feuerwerk ab:
Snooker gilt als Gentlemen-Sport, Fairness ist selbstverständlich und wird vorrausgesetzt. Doch das Genie Ronnie ist da etwas anders, kleines Beispiel: Einmal blieb eine Kugel kurz vor der Tasche liegen, der Engländer zeigte daraufhin der Kugel den Mittelfinger. Für die Snooker-Szene ein Eklat, der mit einer Geldstrafe vom Snookerverband geahndet wurde. "The Rocket" kümmerte das wenig. Dabei muss man aber auch wissen: Ronnie ist schon länger depressiv, deswegen musste er auch schon oft pausieren und büßte in der Weltrangliste seinen ersten Platz ein.
Langweilig wird es mit dem Ausnahme-Talent nie, am Tisch pendelt er zwichen Genie und Wahnsinn. Ab und an verliert er die Lust während eines Spiels und schenkt die Begegnung ab, aber oft genug zeigt er, dass er mit seinem unverwechselbaren Stil der beste Snooker-Spieler der Welt ist. Denn Ronnie O'Sullivan ist für seine sehr schnelle und lochstarke Spielweise bekannt. Der Spitzname "The Rocket" kommt schließlich nicht von ungefähr.
Wenn ihr euch schon beim ersten Teil des Videos der Woche die Augen gerieben habt, dann werden sie euch beim zweiten Teil wohl ausfallen, also seid gewarnt! Hier werdet ihr Zeuge, was passiert, wenn "The Rocket" in Topform ist: Ein "Maximum Break" in 5 Minuten und 14 Sekunden - Weltrekord! Viele sagen sogar, es ist ein Rekord für die Ewigkeit!
Das Spiel fand bei der WM 1997 in Sheffield in der ersten Runde gegen Mick Price statt.
Text: Lucas Schäfer